Sozialwohnungen Thüringen: Studie sieht Bedarf von 4.200 neuen Wohnungen pro Jahr

Thüringen braucht nach einer aktuellen Studie deutlich mehr geförderten Wohnraum. Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass jährlich 4.200 neue Sozialwohnungen Thüringen notwendig sind. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Thüringen, die die Untersuchung mit in Auftrag gegeben hat, sieht insbesondere im Altenburger Land Handlungsbedarf.

Jüngere und ältere Menschen gehörten zu den Verlierern auf dem Wohnungsmarkt, sagt Ralf Eckardt, Bezirksvorsitzender der IG BAU Thüringen. Von den rund 1.040 Auszubildenden im Landkreis Altenburger Land wohnten viele noch bei ihren Eltern – nicht immer freiwillig. Eine eigene Wohnung sei für viele kaum bezahlbar.

„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist“, so Eckardt. Wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs finanzieren könnten, scheiterten Chancen bereits am Mietmarkt. Die heimische Wirtschaft könne sich das nicht leisten.

Die IG BAU fordert deshalb Unterstützung durch Bund und Freistaat Thüringen beim Neubau von Azubi-Wohnungen, insbesondere im Umfeld von Ausbildungszentren. Auch Steueranreize für Betriebe, die Wohnraum für ihre Auszubildenden schaffen, seien denkbar. Vergleichbare Probleme gebe es bei Studierenden, weshalb auch in Universitätsstädten gezielte Förderprogramme notwendig seien.

Zudem warnt die Gewerkschaft vor „Wohnarmut im Alter“. Im Landkreis Altenburger Land leben rund 12.300 Baby-Boomer, die bis 2035 vollständig in Rente gehen werden. Viele hätten niedrige Rentenansprüche, unter anderem durch Phasen der Arbeitslosigkeit oder geringe Löhne. Steigende Mieten könnten dazu führen, dass sich etliche ihre bisherige Wohnung kaum noch leisten können.

Bundesweit nennt der „Soziale Wohn-Monitor“ das Ziel, die Zahl der Sozialwohnungen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts von derzeit 1 auf 2 Millionen zu verdoppeln. Für Thüringen bedeute das bis 2035 insgesamt 49.700 Sozialwohnungen. Um dieses Ziel zu erreichen, seien jährlich 4.200 zusätzliche Sozialwohnungen erforderlich.

Die IG BAU fordert eine intensive Förderung durch Bund und Land, verfügbare Mittel bereits zum Baubeginn sowie Maßnahmen zur Senkung der Baukosten, etwa durch den Regelstandard „Erleichtertes Bauen“. Zudem solle der Freistaat eine öffentliche Statistik zum Neubau von Sozialwohnungen führen.

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