NGG kritisiert Gesundheitsreform: „Finger weg von der Teilkrankschreibung“

Altenburger Land. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, kritisiert die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung deutlich. Aus Sicht der NGG Thüringen könnten vor allem höhere Zuzahlungen bei Medikamenten sowie die diskutierte Teilkrankschreibung Beschäftigte zusätzlich belasten.
„Wer im Landkreis Altenburger Land zum Hausarzt geht, für den wird es teurer“, sagt Jens Löbel, Geschäftsführer der NGG Thüringen. Nach seinen Angaben sollen Versicherte künftig für Medikamente bis zu 15 Euro zuzahlen, mindestens jedoch 7,50 Euro. Derzeit liege die Zuzahlung bei 5 Euro und sei bei 10 Euro gedeckelt.
NGG fordert niedrigere Mehrwertsteuer auf Medikamente
Um Arzneimittel günstiger zu machen, spricht sich die NGG Thüringen für eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Medikamente aus. Statt 19 Prozent sollten nach Ansicht der Gewerkschaft nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Arzneimittel erhoben werden.
Das betreffe unter anderem Tabletten, Tropfen, Salben, Zäpfchen oder Infusionen. Eine geringere Besteuerung könne nach Einschätzung der NGG nicht nur Versicherte entlasten, sondern auch die gesetzlichen Krankenkassen.
Kritik an geplanter Teilkrankschreibung
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft die geplante Teilkrankschreibung. Nach den Vorstellungen der Bundesregierung sollen Beschäftigte unter bestimmten Bedingungen teilweise arbeitsfähig sein können, etwa zu 25, 50 oder 75 Prozent.
Für Jens Löbel ist das realitätsfern. Er verweist auf Beschäftigte in Bäckereien, Küchen und Gastronomie im Altenburger Land. Dort gebe es feste Abläufe, Zeitdruck und körperliche Belastung. Die Arbeit nehme keine Rücksicht auf Halb- oder Dreiviertel-Kranke.
Sorge vor Druck auf Beschäftigte
Die NGG befürchtet, dass Beschäftigte bei längerer Krankheit stärker unter Druck geraten könnten. Zwar müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber zustimmen. Dennoch sieht die Gewerkschaft die Gefahr, dass Erkrankte zur Rückkehr an den Arbeitsplatz gedrängt werden könnten.
Das sei wenig hilfreich, wenn es darum gehe, wieder gesund zu werden, so Löbel.
Appell an Bundestagsabgeordnete
Die NGG Thüringen appelliert an die Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Altenburger Land und der Region, sich für Änderungen bei Zuzahlungen und Medikamenten-Mehrwertsteuer einzusetzen.
Zudem fordert die Gewerkschaft, von der geplanten Teilkrankschreibung Abstand zu nehmen.