Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten in Thüringen deutlich gestiegen

AOK PLUS: Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen innerhalb von zehn Jahren um rund 68 Prozent gestiegen

Thüringen. Psychische Erkrankungen führen bei Beschäftigten in Thüringen zu immer mehr Fehlzeiten. Das geht aus dem aktuellen Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hervor. Besonders auffällig ist dabei nicht nur die Zahl der Krankmeldungen, sondern auch deren Dauer.

Bei den AOK PLUS-versicherten Beschäftigten in Thüringen stiegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen innerhalb von zehn Jahren um rund 68 Prozent. Im Jahr 2016 wurden noch 275 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder verzeichnet, 2025 waren es bereits 461 Tage.

Burnout-Ausfalltage mehr als verdoppelt

Auch bei Burnout-Diagnosen zeigt sich eine deutliche Entwicklung. Die Ausfalltage stiegen zwischen 2016 und 2025 von 10,2 auf 21,4 Tage je 100 AOK-Mitglieder. Das entspricht einem Anstieg von rund 109 Prozent.

Während Atemwegserkrankungen 2025 deutlich häufiger zu Krankmeldungen führten, dauerten Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen wesentlich länger.

Bei psychischen Erkrankungen wurden 16,1 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder registriert. Die durchschnittliche Krankschreibung dauerte 28,5 Tage. Bei Atemwegserkrankungen waren es 80,6 Fälle, allerdings mit einer durchschnittlichen Dauer von lediglich 6,8 Tagen.

Unterschiedliche Ursachen für psychische Belastungen

Nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK können verschiedene Faktoren zu psychischen Belastungen beitragen. Dazu gehören unter anderem Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Auch Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation und Zukunftsängste können eine Rolle spielen. Gleichzeitig werden psychische Erkrankungen heute offener thematisiert und häufiger erkannt als noch vor einigen Jahren.

Dr. Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, betont, dass psychische Gesundheit zunehmend an Bedeutung gewinne. Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftigte müssten gemeinsam daran arbeiten, Belastungen zu reduzieren und gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Gesundheitsförderung in mehr als 1.200 Unternehmen

Im Jahr 2025 begleitete die AOK PLUS nach eigenen Angaben die betriebliche Gesundheitsförderung in 1.216 Unternehmen in Sachsen und Thüringen. Gemeinsam wurden mehr als 3.000 Gesundheitsaktivitäten umgesetzt.

Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Work-Life-Balance, Zeitmanagement, Erholung, gesundheitsgerechte Führung sowie die Unternehmenskultur.

Große Unterschiede zwischen Berufsgruppen

Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen unterscheiden sich deutlich zwischen den Berufsgruppen.

Besonders häufig wurden 2025 Beschäftigte im Dialogmarketing krankgeschrieben. Dort wurden 32,4 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Beschäftigte registriert.

Es folgten Berufe in der Altenpflege mit 27,5 Fällen, in der Sozialverwaltung und Sozialversicherung mit 27,4 Fällen, in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik mit 26,9 Fällen sowie in der Haus- und Familienpflege mit 25,9 Fällen.

AOK setzt auch auf individuelle Prävention

Neben Angeboten für Unternehmen setzt die AOK PLUS auch auf individuelle Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Gesundheit.

Dazu gehören unter anderem digitale Programme zur Stressbewältigung, Schlaf und Regeneration sowie Gesundheitskurse zu Achtsamkeit, Stressbewältigung oder Yoga.

Der Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK erscheint seit 1998 jährlich und untersucht die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitszahlen unter AOK-Mitgliedern. Der Schwerpunkt liegt 2026 auf der mentalen Gesundheit in der Arbeitswelt.

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