Vortrag im Mauritianum Altenburg: Spuren des Kolonialismus in ethnografischen Sammlungen

Altenburg. Das Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg widmet sich erneut der Erforschung seiner außereuropäischen kulturhistorischen Sammlung. Nachdem bereits im Jahr 2023 afrikanisches Kulturgut in der ethnografischen Sammlung untersucht wurde, steht nun Kulturgut aus Südostasien und Ozeanien im Mittelpunkt.
Bei einem Abendvortrag am 19. Mai um 19:00 Uhr gibt die Provenienzforscherin Hannah Romstedt aus Erfurt Einblicke in das laufende Forschungsprojekt am Mauritianum. In ihrem Werkstattbericht zeigt sie, welche Fragen, Erkenntnisse und offenen Punkte mit der Sammlung verbunden sind.
Herkunft der Objekte wird untersucht
Ziel des Projektes ist es, mögliche problematische Umstände der Aneignung in kolonialen Kontexten zu ermitteln. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, welche Objekte aus Ozeanien und Südostasien um 1900 vermehrt in das Museum kamen, wer sie übergab und wie sie möglicherweise in den Herkunftsregionen erworben wurden.
Um diesen Fragen nachzugehen, begutachtete Hannah Romstedt die entsprechenden Objekte in der Sammlung des Mauritianums. Außerdem sichtete sie Unterlagen im Museum, recherchierte in lokalen Archiven und tauschte sich mit Kolleginnen und Kollegen der Altenburger Museen aus.
Kolonialbeamte und Altenburger Bürger als Objekteinlieferer
In den Unterlagen tauchen unter anderem Namen von Kolonialbeamten als Objekteinlieferer auf. Dazu gehören etwa Hans Meyer, der aus einer Leipziger Verlegerfamilie stammte, sowie Richard Deeken, der in der ehemaligen deutschen Kolonie Samoa tätig war.
Auch Einwohner Altenburgs übergaben dem Museum Objekte. So erhielt das Mauritianum beispielsweise von dem Kaufmann Otto Simon ein Konvolut aus Australien. Zudem kamen Objekte durch Überweisungen und Leihgaben aus der Rüstkammer des Schlosses der Herzöge Sachsen-Altenburg in die Sammlung.
Werkstattbericht mit Einblicken in laufende Forschung
Der Vortrag bietet Interessierten die Möglichkeit, die Sammlung kennenzulernen und mehr über die Wege der Provenienzforschung zu erfahren. Hannah Romstedt berichtet, welche Ansätze im Forschungsprojekt verfolgt oder verworfen wurden, welche Erkenntnisse bereits vorliegen und wo weiterhin Wissenslücken bestehen.
Zugleich zeigt der Abend, wie Akteure aus Altenburg in ehemaligen Kolonien tätig waren und welche Spuren des Kolonialismus bis heute in Altenburg zu finden sind.
Veranstaltung im Überblick
Vortrag:
Werkstattbericht zum Erstcheck an den ethnografischen Sammlungen aus Südostasien und Ozeanien des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg
Referentin:
Hannah Romstedt, Erfurt
Termin:
19. Mai, 19:00 Uhr
Ort:
Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg