NGG warnt vor längeren Arbeitstagen im Altenburger Land

Im Landkreis Altenburger Land haben rund 760 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit nach Angaben der amtlichen Statistik bei gut 54 Prozent. Aus Sicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, reicht das nicht aus.
„Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Jens Löbel von der NGG Thüringen. Der landesweite Bedarf bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren liege in Thüringen nach Angaben der Gewerkschaft bei 64 Prozent. Die NGG beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts.
Mit Blick auf mögliche Änderungen beim Arbeitszeitgesetz sieht die Gewerkschaft zusätzliche Probleme auf Familien im Altenburger Land zukommen. Kritisiert werden Pläne, den bisherigen 8-Stunden-Tag aufzuweichen.
Nach Einschätzung der NGG würde eine solche Änderung die Planung der Kinderbetreuung deutlich erschweren. Eltern müssten ihre Arbeitszeiten und Kita-Zeiten schon heute oft eng aufeinander abstimmen. Wenn Arbeitstage künftig auf zehn oder zwölf Stunden ausgedehnt werden könnten, werde es für Familien deutlich schwieriger, ihren Alltag verlässlich zu organisieren.
Auch für Menschen, die Angehörige pflegen, sieht die NGG Risiken. Wer Pflege zu Hause organisiert oder mit Pflegediensten abstimmt, sei ebenfalls auf verlässliche Arbeitszeiten angewiesen. Lange Arbeitstage würden diese Planung zusätzlich belasten.
Besonders betroffen seien nach Angaben der Gewerkschaft häufig Frauen. Die NGG verweist auf eine bundesweite Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Demnach gaben 51 Prozent der Frauen an, sich zu Hause um Angehörige wie Kinder oder ältere Menschen zu kümmern. Bei Männern waren es 41 Prozent. Schon heute habe gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Beruf zeitlich miteinander zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen seien es 42 Prozent.
Die NGG warnt zudem vor gesundheitlichen Folgen längerer Arbeitstage. Nach acht Stunden im Job steige das Unfallrisiko weiter an. Nach zwölf Stunden sei es laut Gewerkschaft doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag. Auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten Folgen zu langer Arbeitstage sein.
Aus Sicht der NGG Thüringen lässt sich der Arbeitskräftemangel nicht durch längere Arbeitstage lösen. Stattdessen brauche es bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze. Das gelte unter anderem für das Gastgewerbe, das Lebensmittelhandwerk und die Nahrungsmittelindustrie.
Weitere Informationen gibt es unter:
www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die-8