Wohnungsmarkt im Altenburger Land: 65 Prozent der Wohnungen über 55 Jahre alt

Pestel-Institut warnt: Neubau und Sanierungen laufen „mit angezogener Handbremse“

Das Pestel-Institut hat eine neue Wohnungsmarkt-Untersuchung für den Landkreis Altenburger Land vorgelegt – mit ernüchternden Ergebnissen. Rund 35.600 Wohnungen wurden vor 1970 gebaut, sind also älter als 55 Jahre. Damit gehören 65 Prozent aller Wohnungen im Kreis zu den sogenannten „Ü55-Wohnungen“. Der Großteil davon ist sanierungsbedürftig.

Die Studie, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt wurde, zeigt: Der Wohnungsbestand altert, der Neubau stagniert – und der Fachkräftemangel könnte sich dadurch weiter verschärfen.

Sinkende Haushaltszahlen – steigender Bedarf an modernem Wohnraum

Laut Pestel-Institut wird die Zahl der Haushalte im Altenburger Land bis 2040 um rund 9 Prozent sinken – etwa 4.100 weniger als heute. Dennoch warnen die Forscher davor, den Wohnungsmarkt sich selbst zu überlassen.
„Es braucht dringend modernisierte und bezahlbare Wohnungen – für Arbeitskräfte, die neu in die Region kommen, aber auch für Seniorinnen und Senioren“, erklärt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts.

Bis 2040 werde die Zahl der Erwerbstätigen um 24 Prozent auf rund 37.000 Personen sinken, während der Anteil der über 65-Jährigen auf 37 Prozent der Bevölkerung steige. Damit werde die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum deutlich zunehmen.

Leerstand, Sanierungsstau und stockender Neubau

Derzeit stehen laut Studie rund 6.300 Wohnungen seit über einem Jahr leer. In den meisten Fällen sei eine wirtschaftliche Sanierung nicht mehr sinnvoll – Abriss und Neubau seien die bessere Lösung.

Doch der Wohnungsbau im Altenburger Land komme kaum voran. „Sanierungen und Neubauten laufen mit angezogener Handbremse“, so Günther. Es brauche jetzt „günstiges Baugeld“ – ein Zinsprogramm mit maximal 2 Prozent Finanzierungskosten. Nur so könnten private Eigentümer, Investoren und Kommunen wieder aktiv werden.

Forderung: Vorschriften der letzten zehn Jahre überprüfen

Neben der Finanzierung kritisieren sowohl das Pestel-Institut als auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel die Überregulierung im Bauwesen.
„Deutschland muss wieder einfacher bauen“, fordert Günther. Wenn der Bund „alle Auflagen und Vorschriften der letzten zehn Jahre“ zurücknehme, könnten mehr Wohnungen schneller und günstiger entstehen.

BDB-Präsidentin Katharina Metzger ergänzt:
„Von einem ‚Wohnungsbau-Turbo‘ kann keine Rede sein. Die Maßnahmen der Bundesregierung wirken zu spät und zu schwach. Ohne entschlossene Schritte verliert die Bauwirtschaft weiter an Kapazität – und mit ihr der Arbeitsmarkt.“

Hintergrund: Pestel-Studie für den BDB

Das Pestel-Institut analysierte für die Studie den Wohnungsbestand, die Bevölkerungsentwicklung sowie Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsdaten im Landkreis Altenburger Land. Ziel ist es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau auf regionaler Ebene zu bewerten.

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